
Europas Aktienmärkte haben sich am Freitag von ihren heftigen Verlusten am Vortag erholt. Gestützt von einer Entspannung an den Energie- und Terminmärkten sowie vagen Hoffnungen auf ein schnelleres Ende des Kriegs im Nahen Osten legten die Leitindizes im frühen Handel zu. Der Euro-Stoxx-50 rückte in der ersten Handelsstunde um 0,86 Prozent auf 5.662 Punkte vor, der Dax gewann 0,85 Prozent auf 23.036 Zähler. In Wien stieg der ATX um 1,2 Prozent, auch der britische FTSE-100 notierte fester.
Am Donnerstag hatten Sorgen über eine weitere Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise und in der Folge die Inflationserwartungen in die Höhe getrieben. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent war zeitweise über 119 US-Dollar geklettert und hatte damit eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten ausgelöst. Mittlerweile kostet Brent mit 109 Dollar wieder deutlich weniger. Die Beruhigung an den Energie- und Gasmärkten nimmt etwas Druck von den Konjunkturängsten, auch wenn Anleger die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten.
Zur verbesserten Stimmung trugen Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bei, die an den Märkten als Signal für ein möglicherweise schnelleres Kriegsende gewertet werden. Netanyahu sagte laut „Times of Israel“, der Iran sei schwächer denn je und könne kein Uran mehr anreichern sowie keine ballistischen Raketen mehr herstellen. Die Angriffe auf die Islamische Republik würden jedoch fortgesetzt, „so lange dies notwendig ist“. Trotz dieser Aussagen bleibt das Umfeld fragil: Je nach Nachrichtenlage aus der Region rechnen Marktteilnehmer im Tagesverlauf mit erneuten größeren Kursschwankungen.
Zusätzliche Volatilität bringt der sogenannte große Verfalltag. An diesem Freitag laufen an den Termin- und Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktien und Aktienindizes aus. Rund um diesen Termin kommt es häufig zu spürbaren Marktbewegungen, weil Investoren Positionen schließen oder neu ausrichten. In den Sektorindizes holten vor allem Bank-, Reise- und Bauwerte Verluste vom Vortag auf, während Ölaktien nach dem Rückgang der Rohölnotierungen tendenziell unter Druck gerieten. Viele Anleger bleiben gleichwohl vorsichtig und neigen dazu, vor dem Wochenende Risiken zu reduzieren, um sich gegen mögliche negative Überraschungen aus dem Nahen Osten abzusichern.

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